Nahtloser Wechsel an der Realschule

Von HANSPETER WALTER

Überlingen – Verabschiedung des sehr anerkannten Karl Hepp an der Überlinger Realschule

„Das war eine fantastische Veranstaltung“ zeigte sich Klaus Moosmann, Leiter des Staatlichen Schulamts, am Ende hellauf begeistert von der Feier zum Leiterwechsel an der Realschule Überlingen. Zweieinhalb Stunden mit ebenso respektvoll lobenden wie heiteren Worten für Rektor Karl Hepp und schwungvoller Musik auf hohem Niveau waren schon vergangen, als Moosmann selbst seine pädagogische Kompetenz ausspielte. Mit einem Methodenwechsel ging er vom Monolog zum Dialog über, um Karin Broszat als Nachfolgerin in einem kurzen Interview vorzustellen. Während die Neue ihren Auftrag schon schriftlich bekam, muss Hepp auf seine Entlassungsurkunde noch warten, da er vor dem eigentlichen Ruhestand noch ein Sabbatjahr genießen kann.

Eine der wichtigsten Aussagen über die Arbeit von Karl Hepp kam wohl von Schülersprecherin Laura Gebauer. „Wir haben uns behütet und verstanden gefühlt“, sagte sie, „und als individuelle Menschen anerkannt.“ Ja, oft sei Hepp „im genialen Geist des Humanismus“ mehr Seelsorger als Schulleiter gewesen, bekräftigte Konrektor Hans Nolle. Seien einmal Schulstrafen erforderlich gewesen, so habe dies dem Rektor mehr weh getan als den Bestraften. Auch im Kollegium habe Hepp ein Klima geschaffen, das zu „überdurchschnittlichem Engagement“ geradezu ermunterte.

Schulrat Gerd Schneider wählte das Bild des allgegenwärtigen Wasserrades, um die Qualität von Schulleitung zu beschreiben. Alles müsse rund laufen, an der Achse herrsche Ruhe und das ganze System benötige Freihit. Mit einem Rückgriff auf Brechts „Tao Te King“ resümierte Karl Hepp sein persönliches Leitbild in der Erkenntnis, dass „das weiche Wasser in Bewegung mit der Zeit den mächt‘gen Stein besiegt, du verstehst, das Harte unterliegt“.

Hepp freute sich neben den Vertretern anderer Schulen, sogar aus der polnischen Partnerschule, insbesondere über die Präsenz der Bürgermeister Henrik Wengert (Owingen) und Anselm Neher (Sipplingen). Denn Schulentwicklung könne man nur mit der Region gemeinsam denken. Etwas deutlicher waren die schulpolitischen Anspielungen, ja Anmerkungen in den anderen Beiträgen, auch seiner Nachfolgerin, gewesen. Oberbürgermeisterin Sabine Becker indessen hatte an diesem Tag ihrem Stellvertreter und ehemaligen Kollegen Hepps, Lothar Fritz, das Feld überlassen, um Anerkennung des Schulträgers auszusprechen.

Während aus dem in Saulgau geborenen Württemberger Karl Hepp nicht nur ein Sänger, Segler und Imker, sondern inzwischen ein halber Badener geworden ist, wie es hieß, nahm Nachfolgerin Karin Broszat für sich in Anspruch, Badenerin zu sein, die in Schwaben lediglich Ausbildung und Promotion absolviert habe. Neun Jahre hatte sie in Friedrichshafen die Leitung der Mädchenrealschule St. Elisabeth inne. Doch spätestens als sie sich einmal von Aufkirch her dem See und Überlingen genährt habe, sei ihr das „Traumziel“ klar gewesen.

„Was ist Ihnen besonders wichtig?“ lautete die letzte Frage von Klaus Moosmann an die künftige Rektorin. „Nach dieser Feier würde ich sagen: Ich will einfach so werden wie Herr Hepp“, reagierte Karin Broszat und konkretisierte ihre Vorstellung von Schulleitung in der Herausforderung, „unseren Schülern und Lehrern den Rücken freizuhalten für eine gute pädagogische Arbeit.“

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Schlüsselübergabe an der Realschule Überlingen: Der scheidende Rektor Karl Hepp, der vor dem echten Ruhestand noch ein Sabbatjahr genießen darf, und seine Nachfolgerin Karin Broszat, die sich schon auf ihre „Traumstelle“ freut. Bild: Walter

(SÜDKURIER, 24. Juli 2013)